19.09.2019

Zu Fuß zur Schule in Blankenese: „Das läuft jetzt auch ohne Belohnung“

Zu Fuß zur Schule in Blankenese: „Das läuft jetzt auch ohne Belohnung“

Dicht drängeln sich die Wilko, Henriette, Carlotte und ihre Freunde um den Tisch im Eingangsbereich ihrer Schule. Mit ihrer Unterschrift in den ausgeschnittenen Papier-Fußspuren verdeutlichen die Viertklässler der Katholischen Schule Blankenese ihr morgendliches Engagement bei der Aktion „Zu Fuß zur Schule“.

Bereits zum fünften Mal laden Elternvertreter und Lehrkräfte gemeinsam ein zu einem 14-tägigen Verzicht auf das Kutschieren mit dem Elterntaxi bis zur Schultür. In einem Flyer sind spezielle Haltepunkte – sogenannte Kiss & Drop-Zonen – in der Umgebung eingezeichnet, an denen Eltern ihre Kinder aussteigen lassen können, sodass diese den Rest des Weges allein bewältigen. Oder sie kommen gleich ganz zu Fuß von zuhause, wie Carlotta, die selbst dem Nieselregen noch was Gutes abringen kann: „Ach, das ist eigentlich gar nicht so schlimm. Und meine Mutter kann uns dann auch gleich ein Stück mit den Hunden begleiten. Die müssen eh raus.“

Aber auch der Umweltaspekt spielt in Carlottas und Henriettes Überlegungen eine Rolle. „Wir tun was dafür, dass die Umwelt nicht verschmutzt wird. Und das ist doch gut“, sind die beiden von ihrem Engagement überzeugt.

Als kleine Motivationshilfe hat die Katholische Schule Blankenese jedem Kind einen eigenen Stempelpass übergeben. Wer also zu Fuß, per Bus oder mit dem Rad zur Schule kommt, kann sich sein Tun „quittieren“ lassen. Die Klassen mit den meisten Eintragungen wurden in den vergangenen Jahren am Aktionsende ausgezeichnet. Doch das sei inzwischen gar nicht mehr nötig, erklärt die Schulleiterin.

„Es braucht überhaupt keinen Anreiz mehr – das läuft jetzt auch ohne Belohnung“, freut sich Overmeyer, und ergänzt: „Wir spüren, dass viele unserer Botschaften angekommen sind. Die Parkplatzsituation auf dem Kirchplatz hat sich deutlich entspannt.“ Zeitdruck, Autoschlangen und Stau schon am frühen Morgen – genau das werde mit dieser Aktion vermieden. „Außerdem tun die Kinder etwas für ihre Gesundheit, nehmen ihre Umgebung bewusster wahr und lernen, sich selbstständig im Straßenverkehr zu bewegen“, fasst Overmeyer die Ziele der Aktion zusammen.

Auch Kinder, die weiter entfernt wohnen und auf das Elterntaxi nicht gänzlich verzichten können, versuchen ihr Bestes. „Zählt auch nur ein Stückchen Fußweg?“, will Lilly aus Wedel wissen. Schulleiterin Martina Overmeyer gibt keinen „Stempel-Freischein“, sondern fragt konkret nach: „Wo habt ihr denn geparkt?“. Die Antwort lässt Overmeyer ein Lächeln ins Gesicht zaubern. „Das passt“, erklärt sie. Schließlich soll die Aktion Zeichen setzen. Und nicht Bequemlichkeit fördern.

Freudig unterschreibt die Zweitklässlerin in einem roten Fußabdruck aus Papier.

Foto (Christoph Schommer), v.l.n.r.: Henriette, Wilko, Schulleiterin Martina Overmeyer und Carlotta.

zurück