07.05.2019

Medienscouts schulen Viertklässler der Katholischen Sophienschule

Medienscouts schulen Viertklässler der Katholischen Sophienschule

Die Viertklässler der Katholischen Sophienschule rutschen ungeduldig auf ihren Stühlen hin und her. Denn statt Mathe oder Deutsch stehen heute Google, WhatsApp und Smartphone-Nutzung auf dem Stundenplan.

Die Barmbeker Grundschüler sind Experten in der Bedienung solcher Medien, aber nur selten mit den Gefahren vertraut. Deshalb sind Marie und Victoria von der Sophie-Barat-Schule zu Gast. Die Zehntklässlerinnen sind ausgebildete Medienscouts – und inzwischen vielfach angefragte Beraterinnen zum Thema „Neue Medien“. „Wir wollen den Kids aufzeigen, welche Gefahren im Netz lauern – und wie schnell man dabei Informationen von sich preis gibt“, verdeutlicht Victoria das Ziel der Schulung. Und die beiden Jugendlichen legen gleich zielgruppengerecht los.

Beim sogenannten „Mediensalat“ ermitteln Marie und Victoria spielerisch die Nutzung von Programmen und sozialen Netzwerken: „Wer von Euch hat WhatsApp?“ – im Nu stehen drei Viertel der Grundschüler in der Mitte des Stuhlkreises und verdeutlichen so ihren Messaging-Dienst-Favoriten. Bei TikTok, einem Videoportal für die Lippensynchronisation von Musikvideos, sieht es nicht viel leerer aus.

„Das ist total cool“, meint Luca. Seine Freunde nicken zustimmend. Mit youTube, Snapchat, Google und Playstation geht’s quer durch Medien und Anwendungen. Nur bei facebook tut sich rein gar nichts im Klassenraum. „Nutzt das keiner von Euch?“, fragt Marie, obwohl ihr die Antwort natürlich klar ist. Ungewohnte Stille. Plötzlich zeigt ein Mädchen auf und antwortet: „Meine Mutter“. Die Unterschiede zwischen den Generationen werden eben auch in der Mediennutzung deutlich.

Nahtlos schließen die Medienscouts das Thema Datenschutz an. „Was sind eigentlich Daten?“, hakt Marie nach. Und schon sprudelt es aus den Viertklässlern heraus: Namen, Adressen, Passwörter, Bilder und „Dinge die man so googelt“.

„Genau, Daten sind Informationen, die man über eine Person sammeln kann“, fast Victoria zusammen. „Man denkt immer, das ist ja nur eine einzelne Info, die ich da aus der Hand gebe. Aber alle Informationen werden woanders gesammelt und können später dann ein Gesamtbild von Euch ergeben. Und dann wissen andere plötzlich ziemlich viel über Euch“, erklärt die Zehntklässlerin mit ruhiger Stimme. Die Kinder hören zu – und scheinen zu verstehen.

Ein weiteres Spiel unterstützt das Gesagte. Luca sitzt nun mit verbundenen Augen auf einem Stuhl in der Mitte des Klassenraums. Um ihn herum liegen viele Zettel mit persönlichen Daten des Neunjährigen: Alter, Wohnort, Telefonnummer, Hobbies. Fakten, die nun nach und nach still und leise von den anderen Kindern entwendet werden sollen. Luca sieht nichts – und zu hören gibt es eben auch nicht viel. So verschwindet ein Zettel nach dem anderen, ohne dass sich der Viertklässler dagegen wehren kann.

„Luca, Du warst ein ganz normaler Internet-Nutzer, Deine Freunde einzelne Websites, die nach und nach Deine Daten abgreifen“, zieht Marie Parallelen zur Wirklichkeit im Netz. „Jeder von denen hat ein bisschen was über Dich herausgefunden. Nun könnte Google kommen und all die Daten zusammenführen. Dann wissen die ziemlich gut über Dich Bescheid“, erklärt die Gymnasiastin. Sie erntet Schweigen – der ideale Einstieg in das letzte Thema: Selbstschutz. Mit konkreten Vorschlägen verdeutlichen die Medienscouts den Viertklässlern, wie man Einstellungen ändern und somit Zugriffe und Informationsfluss verweigern kann. Denn davon haben die kleinen Medien-Experten noch nicht ganz so viel Ahnung.

Stichwort „Medienscout“
Die Ausbildung von Schülern zu Medienscouts erfolgt in Zusammenarbeit mit der Landesmedienanstalt, dem Sender Tide und dem Landesinstitut für Lehrerfortbildung in mehrtägigen Lehrgängen.

Schwerpunkte sind u.a. die Vermittlung von Kenntnissen über Medien sowie die Sensibilisierung durch Information und Aufklärung gegen mögliche Mediengefahren und Manipulationen. Raimund Kruse, an der Sophie-Barat-Schule zuständig für die Medienscouts, erklärt das Ziel des Projektes: „Die eigene Medienkompetenz soll erweitert und das Wissen, die Handlungsmöglichkeiten sowie das Reflexionsvermögen hinsichtlich eines sicheren, kreativen, verantwortungsvollen und selbstbewussten Umgangs mit den digitalen Medien soll aufgebaut werden.“

as Gymnasium an der Moorweide hat eigens eine Unterrichtseinheit für die fünften und sechsten Jahrgangsstufen sowie für die Lehrkräfte entwickelt. Und die Medienscouts, inzwischen in vierter Generation, haben sogar ein eigenes Büro.

Bild (v.l.n.r.):
Viertklässler der Katholischen Sophienschule mit ihren Medienscouts: Loella, Marie, Luis, Sophie, Victoria und Mario (Foto: Christoph Schommer)

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