19.11.2018

Katholische Theologie studieren im Norden

Katholische Theologie studieren im Norden
Hamburg ist nicht Freiburg, und Flensburg nicht München. Die Hochburgen der katholischen Theologie liegen im Süden. Aber der Norden holt auf. Auch an Elbe und Ostsee kann man katholische Theologie studieren; nämlich in Hamburg, Flensburg und wahrscheinlich bald auch in Rostock.

Die Freunde der Theologie finden auch im Norden interessante Theologieprofessoren – und weitere Wissenschaftler in verschiedenen Instituten und Ausbildungsstätten. „Dieses Angebot ist zwar nicht so groß wie im Süden“, räumt Dr. Burkhard Conrad ein, „und nicht jeder weiß, wo überall katholische Theologie betrieben wird. Aber die Standorte entwickeln sich gut.“ Conrad hält in der Abteilung Schule & Hochschule des Erzbistums die Fäden zwischen Hochschule und Kirche zusammen. Der Kreis von Theologen, mit denen er zu tun hat, ist gar nicht so klein. Allein in Hamburg gibt es zwei Theologieprofessoren und eine Professorin.

Christine Büchner leitet seit der Gründung 2014 das Institut für katholische Theologie an der Hamburger Universität. Der Schwerpunkt dieses Fachbereichs liegt auf der Lehrerausbildung und auf dem Gespräch mit den anderen Wissenschaften an den Hamburger Hochschulen. Neben der Professorin ist ein Stab von vier Mitarbeitern bzw. Lehrbeauftragten am Institut beschäftigt. Der Fachbereich ist eine Frucht des 2005 abgeschlossenen Staatsvertrags zwischen der Hansestadt und dem Vatikan.

Älter als Hamburg ist der Theologie-Ort Flensburg. Auch in der nördlichsten Stadt Deutschlands ist das katholische Theologiestudium möglich. Das Institut ist wohl das kleinste seiner Art in Deutschland. Die Flensburger Professorenstelle wird derzeit neu besetzt. Dr. habil. Anja Middelbeck-Varwick ist dort derzeit als Privatdozentin und Lehrstuhlvertretung tätig. Sie hat sich einen Namen gemacht auf dem Gebiet der Theologie der Religionen und der christlich-muslimische Beziehungen.

Möglicherweise wird es bald eine dritte Universität im Raum des Erzbistums Hamburg geben, die katholische Theologie anbietet: In Rostock laufen hierzu Gespräche. Auch dort wäre es eine bescheidene Sache: Ein Lehrstuhl mit einem kleinen Mitarbeiterstab.

Katholische Theologie wird aber auch an einer Uni betrieben, an der katholische Theologie gar nicht studiert werden kann – jedenfalls nicht als eigenes Fach: An der Hochschule der Bundeswehr in Hamburg ist bereits seit 20 Jahren Prof. Dr. Thomas Hoppe als Professor tätig. Seine theologischen Schwerpunkte sind Sozialwissenschaft, Sozial- und Friedensethik.

Friedensethik ist eine Hamburger Spezialität Bekannter als die Helmut Schmidt Universität der deutschen Bundeswehr ist in katholischen Kreisen das „Institut für Theologie und Frieden“. Ursprünglich in Barsbüttel angesiedelt, befindet es sich jetzt im Gebäude der Katholischen Akademie am Herrengraben. Sein Direktor, Prof. Dr. Heinz-Gerhard Justenhoven, ist ein international anerkannter Experte in Sachen Friedensethik. International sind auch die Kontakte und Forschungsprojekte des Instituts, das vom katholischen Militärbischofsamt getragen wird. Mit Dr. Matthias Gillner lehrt ein weiterer katholischer Ethiker an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg-Nienstedten.

Die Zahl der Köpfe im Dienst der katholischen Theologie ist überschaubar. „Der Grad der öffentlichen Wahrnehmung und Anerkennung der Theologie im Norden ist dennoch erstaunlich“, sagt Burkhard Conrad. „Wo es aber nur wenige Stellen gibt, da ist eine gute Vernetzung wichtig.“ Das wäre vor allem dann gut, wenn es tatsächlich zur Errichtung einer katholisch-theologischen Professur in Rostock kommt. „Ich bin guter Dinge, dass sich da etwas tut“, so Conrad. Für die Errichtung gäbe es einen sehr guten Zeitpunkt. Irgendwann im Jahr 2019. Denn dann wird die Universität Rostock 600 Jahre alt. Die Uni gehört zu den ältesten in Deutschland. Schon 100 Jahre vor der Reformation konnte man dort Theologie studieren.

(Quelle: Neue KirchenZeitung 45_2018, Foto A. Hüser)

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