26.11.2018

Grundschüler werden zu „Klangforscher“

Grundschüler werden zu „Klangforscher“

Auf Socken und mit betont langsamen Bewegungen schleichen die Drittklässler in den Musikraum. Die Lippen der Kinder sind fest geschlossen. In der Hand halten sie einen Holzstuhl, den es schließlich möglichst geräuschlos abzustellen gilt.

„Wow, super gemacht!“, lobt Regisseurin Theresa von Halle die Jungen und Mädchen der Katholischen Schule St. Joseph in Wandsbek. Gemeinsam mit dem australischen Komponisten Samuel Penderbayne bildet die start!up-Musikpreisträgerin derzeit insgesamt 20 Grundschüler zu echten Hör- und Klangexperten aus.

 

Das vom Kulturforum21 der katholischen Schulen initiierte mehrmonatige Musiktheaterprojekt, das vom Bundesbildungsministerium („Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung“) gefördert und in Kooperation mit den Deichtorhallen Hamburg durchgeführt wird, soll zu einer bewussteren Wahrnehmen von Alltagsgeräuschen anregen.

„Wir nehmen uns die Zeit, Töne neu zu hören, die man im Alltag sonst völlig ignoriert“, erklärt Penderbayne das Konzept, „Wir lassen diese vergessenen Geräusche zu einer Art Musik werden“. Die Erzählungen der Kinder, deren Alltagserlebnisse und Fantasien sowie hand- und mundgemachten Geräusche sind ein wichtiger Grundstock, aus dem die beiden Musikexperten später das finale Theaterstück komponieren und zur Aufführung in den Deichtorhallen bringen werden.

„Den roten Faden wird das Stück durch die Steigerung der Eindrücke erhalten“, verdeutlicht der Komponist das außergewöhnliche Kulturprojekt. Für Musiktheater-Laien ein durchaus anspruchsvoller Ansatz. Nicht so für Veronika, Dominik, Emilia und ihre Freunde. Die Acht- und Neunjährigen lassen sich ganz und gar auf die Idee ein. Sie probieren aus, hören zu und fiepsen, klirren und ploppen, was das Zeug hält.

Als „Klangforscher des Sounds“ haben die Grundschüler sehr genaue Vorstellungen von ihren Lieblingsgeräuschen: Das Trampeln der Pferde auf dem Asphalt ist für Emma ein absoluter Genuss. Claudia mag es, wenn der Wind durch die herbstlichen Wälder rauscht. Und Dominik gibt, fast ein wenig verschämt, seine Vorliebe für das leise Rascheln eines Papieres bekannt.

Beim Besuch einer Skulpturenausstellung in den Deichtorhallen näherten sich die Kinder zuletzt den unterschiedlichen Exponaten und entwickelten fünf Klangkompositionen für fünf Skulpturen.

„Eine große Herausforderung“, wie Regisseurin Theresa von Halle zugibt. Aber die Neugier und der Mut der Kinder haben die anfänglichen Hemmschwellen schnell überwinden lassen. Nur ungern denken Emma und ihre Freunde an das bevorstehende Ende des außergewöhnlichen „partizipativen Musiktheaterprojektes“. Hoffnung macht ihnen die Ankündigung ihres Schulleiters Sebastian Stahlberg, dass es besondere Klang- und Hörerlebnisse an der Katholischen Schule St. Joseph auch zukünftig geben soll: im „Hör-Club“.

Fotos: Christoph Schommer
Gruppenbild: Regisseurin Theresa von Halle (l.) und Komponist Samuel Penderbayne (r.) mit den jungen „Klangforschern“ der Katholische Schule St. Joseph Wandsbek.
Stuhlreihe (v.l.n.r.): Praxisübung für die Klangexperten: Geräuschlos stellen Emma, Claudia, Emma und Dominik ihre Holzstühle ab.

 

KULTURTIPP
Das Musiktheaterstück der Drittklässler der Katholischen Schule St. Joseph wird am Freitag, 11. Januar 2019 um 15 Uhr aufgeführt in den DEICHTORHALLEN HAMBURG Foyer der Halle für aktuelle Kunst, Ausstellung „FLORIAN SLOTAWA: STUTTGART SICHTEN.“
(läuft noch bis 20. Januar 2019).

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